echt:nachhaltig - der Podcast über nachhaltige Berufe, Ideen und Initiativen

#3 nachhaltige Initiative: das Nachhaltigkeitsreferat der ÖH Kufstein


 

Regina Giefing und Luca Obermayr leiten das Nachhaltigkeitsreferat der Österreichischen Hochschüler:innenschaft (ÖH) an der Fachhochschule Kufstein Tirol. Im Gespräch erzählen Sie, warum sie sich engagieren und welche Projekte sie machen. Sie geben Tipps, wie auch du eine nachhaltige Initiative in deiner Schule oder in der Arbeit gründen kannst.


 

echt:nachhaltig - Podcaster, Autor:innen
Regina Giefing, Luca Obermayr und Christian Huber

echt:nachhaltig - weiterführende Informationen & Links
weiterführende Informationen & Links:

echt:nachhaltig - Datum der Episode
Episode vom: 17.11.2020

echt:nachhaltig - Dauer der Episode
Dauer der Episode: 27:02 Minuten

echt:nachhaltig - Podcast Player

echt:nachhaltig - Anzahl an Aufrufen
Aufrufe


 

 

 

 


 

 

Intro eine nachhaltige Initiative - Willkommen Regina Giefing und Luca Obermayr ^ 

In dieser Podcast-Episode geht es um eine Initiative rund um ein nachhaltiges Studium. Was diese Initiative möchte und wo sie sich engagiert, das erfährst du in dieser Episode von echt:nachhaltig. Bei mir zu Gast sind Regina Giefing und Luca Obermayr. Sie studieren an der Fachhochschule Kufstein Tirol und leiten das Nachhaltigkeitsreferat der Österreichische Hochschüler:innenschaft, die kurz einfach auch ÖH genannt wird, in Kufstein. Mein Name ist Christian Huber und ich freue mich sehr auf das gemeinsame Gespräch.

Ziele des ÖH Nachhaltigekeitsreferats ^ 

Regina und Luca, ihr leitet gemeinsam das Nachhaltigkeitsreferat der ÖH Kufstein. Was sind eure Ziele, was wollt ihr mit dieser Initiative bewirken?

Hallo Christian. Vielen Dank für die Gelegenheit, unsere Iniative hier vorzustellen. Als Nachhaltigkeitsreferat streben wir danach die Themen Umweltschutz, Abfallvermeidung, Ressourcenschonung usw. in den Vordergrund zu rücken und präsent sein zu lassen. Dabei möchten wir dies auf eine Positive Art und Weise tun. Man muss zu einem großen Teil darauf abzielen, dass die Menschen freiwillig mitmachen und eine Veränderung wollen. Aber das geht nicht von heute auf morgen, ich glaube deshalb je mehr man damit in Berührung kommt, desto eher bleibt etwas hängen.

Mein Ziel ist es allen Studierenden zu zeigen, dass ein nachhaltiger Lebensstil mit keinen Einschränkungen oder zwangsweise mit Verzicht zu tun hat. Ich möchte allen zeigen, dass jeder seinen kleinen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten kann – egal wie klein der Beitrag ist.

Die Gründung ^ 

Luca, du warst bei der Gründung des Nachhaltigkeitsreferats dabei. Wie kam es dazu? Was hat den Anstoß dazu gegeben?

Ausschlaggebend war hier unser ÖH Vorsitzender des letzten Jahres, Valentin Neuhauser. Auch er studiert Energiewirtschaft und hatte das Verlangen, in seiner Amtszeit etwas zu bewegen. Darum hat er gemeinsam mit seinen zwei Stellvertreterinnen Julia Kainrath und Pia Thalmeir dieses Referat gegründet, um sowohl innerhalb unserer Studierendenvertretung, als auch mit der FH und der Stadt Kufstein gemeinsam die Thematik des Umweltschutzes stärker umzusetzen.

Die ÖH ist eine von Studierenden selbst verwaltete und gesetzlich verankerte Vertretung aller Studierenden. Ihr kümmert euch neben der aktiven Teilnahme in Hochschulgremien vor allem darum, das Studium durch viele Serviceangebote zu verbessern. Ihr beratet Studierende rechtlich, unterstützt durch Förderungen, helft bei Anträgen und habt eine Wohnungsbörse. Ihr bietet kulturelle Veranstaltungen und macht Sportangebote. Wieso braucht es aus deiner Sicht ein Team, das sich um Nachhaltigkeit kümmert?

Nachhaltigkeit ist mittlerweile zu einem Buzzword geworden. Jeder kennt das Wort und jeder weiß, dass man umweltbewusster leben sollte aber viele wissen einfach nicht wie. Manche Studierenden haben sich mit dem Thema noch nicht aktiv auseinandergesetzt. Wie vorhin erwähnt ist es mein Ziel die Studierenden zu informieren und zu inspirieren und dadurch nicht nur die FH Kufstein, sondern im weiteren Schritt die Welt etwas nachhaltiger zu gestalten. Deshalb finde ich, dass unsere Arbeit im Nachhaltigkeitsreferat wichtig ist.

Innerhalb der ÖH Abläufe optimieren – Events greener machen

Aktionen & Projekte ^ 

Ihr habt an der Fachhochschule Kufstein Tirol und für die Studierenden dort schon einige Aktionen rund um Nachhaltigkeit gemacht. Was war das konkret?

Wir probieren einerseits direkt mit den Studierenden zu arbeiten indem wir ihnen Informationen, Möglichkeiten und Events bieten, um umweltschonender leben zu können. Andererseits arbeiten wir mit der Fachhochschule zusammen, um ihren Studienalltag auch indirekt umweltverträglicher zu gestalten.

Für die Studierenden haben wir zum Beispiel eine Kleidertauschparty gemacht. Da hat jeder seine ungenutzte Kleidung mitgenommen und in lockerer Atmosphäre dann tauschen können. Mit dem Elektroautosharing Anbieter Beecar in Kufstein haben wir eine Kooperation gestartet, um den Studenten einen günstigeren Tarif anbieten zu können. Dazu haben wir für die Radler einen Radanhänger angeschafft, den man sich für Transporte ausleihen kann. Im Studentenwohnheim haben wir einen Foodsharing Kühlschrank installiert und einen permanenten Kleidertauschschrank eingerichtet.

Auch die Fachhochschule hat unser Anliegen ernst genommen und die Mensa auf Mehrwegflaschen umgestellt.

Herausforderungen ^ 

Luca, Wenn du zurückblickst: Was waren die größten Herausforderungen dabei?

Oft einmal ernst genommen zu werden. Der Begriff Nachhaltigkeit ist schon ein bisschen ausgetreten. Wenn man davon anfängt denken viele an Verbote, Regeln und weniger Spaß. Da muss man stark mit der Vision arbeiten, wie es sein könnte, nicht was man aufhören will oder muss. Denn mit einer Zukunft in einer ruhigen Stadt mit guter Luft, vielen Grünflächen und gesundem Essen können sich dann doch die meisten identifizieren.

Teilweise ist es auch noch schwierig sobald etwas kostet oder mehr Aufwand bedeutet. Da sind Privatpersonen oft noch gewillter als unternehmen, die da oft wirtschaftlicher denken.

Engagement im ÖH Nachhaltgkeitsreferat ^ 

Regina, kannst du uns erzählen, warum du dich im Nachhaltigkeitsreferat der ÖH Kufstein engagierst?

Ich habe eine Zeit in München gewohnt und dort die App „Too Good To Go“ entdeckt. (Die gibt’s mittlerweile auch schon in Österreich.)

Dadurch habe ich mich intensiv mit dem Thema Lebensmittelverschwendung auseinandergesetzt und war super schockiert darüber wie wenig ich über dieses doch riesige Umweltproblem weiß. Ich hab mich dann immer mehr damit befasst und mich bei Foodsharing angemeldet um Lebensmittel vor der Tonne zu retten.

Letztes Semester, als ich noch nicht im Nachhaltigkeitsreferat tätig war, habe ich dann gemeinsam mit dem Team bei ersten Projekten mitgeholfen. Der Essensverteiler im Studentenwohnheim war von Anfang an eines meiner Herzensprojekte. Je mehr ich mich mit unterschiedlichen Nachhaltigkeits-Themen auseinandergesetzt habe, desto mehr wurde mir bewusst, dass ich beim ÖH Nachhaltigkeitsreferat mit dabei sein mag um wirklich was zu bewirken und einfach noch viel mehr Menschen zu erreichen.

Meinungen & Feedback zur Initiative ^ 

Regina, Du bekommst vermutlich einiges an Feedback, wenn du erzählst, dass du das Nachhaltigkeitsreferat leitest. Kannst du uns ein bisschen was davon erzählen?

Um ehrlich zu sein fragen viele erstmal nach was das Nachhaltigkeitsreferat überhaupt ist. Es ist das jüngste Referat der ÖH also fehlt es noch etwas an Bekanntheit. Generell sind die Leute dann aber begeistert, wenn ich ihnen von unserer Arbeit erzähle. Viele finden es toll, dass der ÖH FH Kufstein das Thema Nachhaltigkeit so wichtig ist, dass ein eigenes Referat gegründet wurde.

zukünftige Projekte ^ 

Luca, könnt ihr uns schon verraten, welche weiteren nachhaltigen Projekte ihr angehen wollt?

Da gibt es einiges, nicht nur was wir durch Corona noch nachholen wollen. Eine Radreperaturstation ist gerade in Planung. Diese ist öffentlich Zugänglich und wir werden auch regelmäßig Workshops veranstalten wo man sein Fahrrad unter Anleitung reparieren kann. In der FH möchten wir noch erreichen, dass Füllstationen für Wasserflaschen errichtet werden und die Papierhandtücher ersetzt werden.

Unser anderer großer Fokus ist das Foodsaving. Hier gibt es schon Initativen in und um Kufstein und die würden wir gerne erweitern und mitmachen, da die Studierenden hier eine super Zielgruppe wären. Es wird dabei am Abend von Geschäften übergebliebene und aussortierte Ware abgeholt und verteilt. Wenn man da einmal sieht wie viele Lebensmittel ansonsten im Müll gelandet werden erschreckt das schon. Und hier wird nur in wenigen Geschäften an einem Tag die Woche abgeholt. Wenn man das hochrechnet wäre noch extrem viel Potential weniger Lebensmittel zu verschwenden.

Benötigte Kompetenzen für die Leitung des Nachhaltgkeitsreferates ^ 

Das Nachhaltigkeitsreferat zu leiten ist ja nicht so ganz einfach. Es braucht aus meiner Sicht Management-Kompetenzen. Wie seht ihr das? Welche Kompetenzen braucht es und welche eignet ihr euch durch euer Engagement an?

  • Geduld und Hartnäckigkeit, wenn etwas nicht gleich funktioniert

  • Verhandlungsfähigkeit & Verkaufstalent, um seine Idee an Frau und Mann zu bringen

  • Kommunikationsfähigkeit

  • Motivation für das Thema

Tipps für die Gründung ^ 

Wenn ich auch eine nachhaltige Initiative in meiner Schule oder in meinem Job gründen möchte, welche Tipps habt ihr da für mich? Was sollte ich unbedingt machen und was lieber nicht?

Man sollte sich am Anfang auf ein paar Kernthemen beschränken. Wo steckt am meisten Potential, was macht wirklich Sinn. Oft wird es zum Beispiel Mobilität sein. Aber wenn in die Schule sowieso alle mit dem Bus kommen sind vielleicht Themen wie Konsumverhalten und Abfallvermeidung passender.

Wichtig finde ich es, dass man das positive an seiner Initiative hervorhebt. Nicht was man alles nicht mehr darf, sondern was man machen kann und was damit erreicht wird. Es muss eine innere Motivation bei den Menschen geweckt werden, damit sie auch längerfristig etwas ändern. Hier ist es sehr hilfreich wenn man auch alle zum Mitarbeiten und mitdenken einlädt, damit eine Bewegung entsteht die sich von alleine voranbringt.

Erfahrungen zum nachhaltigen Leben ^ 

Regina, du versuchst nachhaltig zu leben. Was bedeutet das für dich und was machst du konkret?

Für mich bedeutet nachhaltig zu leben die einfachen Schritte zur Nachhaltigkeit zu gehen. Ich finde jeder sollte da anfangen nachhaltiger zu leben, wo es für ihn passt. Es nützt nichts, wenn man sich selbst so weit einschränkt, dass man selber keinen Spaß mehr an seinem Lebensstil hat. Man muss nicht gleich minimalistisch oder als birkenstock-tragender Selbstversorger leben.

Meine ersten Schritte in die Nachhaltigkeit waren einfach eine Glasflasche zu verwenden, selbst mein Essen in Tupperdosen oder Gläsern mitzubringen und beim Einkaufen nur Stoffbeutel und selbstgemachte Gemüsesackerl zu verwenden. Beim Reisen und Wandern keinen Müll zu hinterlassen. Das war kein Aufwand für mich.

Ich versuche aber immer wieder einen weiteren Schritt zu gehen:

  • Foodsharing 2x in der Woche und den Rest an Lebensmitteln regional und saisonal
  • Second Hand für Möbel, Kleidung und für Geschenke, hier überdenke ich vor allem jeden Kauf. Brauch ich das wirklich? Oft findet man im Bekanntenkreis oder auf diversen Plattformen alles Mögliche Second Hand.
  • Ich versuche Verpackungsmaterial einzusparen. Beispielsweise verwende ich statt Geschenkpapier einfach Zeitungspapier, statt Alufolie selbstgemachte Bienenwachstücher
  • Ich habe in Kufstein kein Auto und verwende vor allem den Zug für weitere Strecken und für kürzere Strecken mein Fahrrad oder gehe zu Fuß
  • Meine Kosmetikartikel habe ich aufs Minimum reduziert. Kokosöl ersetzt bei mir in Plastik verpackte Handcremen, Abschminktücher und teure Haaröle.
  • Ich verwende unverpackte Seifenstücke und festes Haarshampoo, um Plastik einzusparen
  • Ich benutze nachhaltige Menstruationsprodukte, die biologisch abbaubar sind und kein bzw. weniger Plastik verwenden.
  • Plastikgeschirr gibt es bei mir absolut nicht mehr. Ich nehme sogar zu Outdoor Feiern einfach mein eigenes Besteck, Teller und Hartplastik-Bescher mit.

Luca, auch du versuchst seit vielen Jahren schon nachhaltig zu leben, Luca. Kannst du uns daran etwas teilhaben lassen? Was macht du nachhaltiges?

Erstmal probiere ich alles, was kein Aufwand ist umzusetzen. Ein eigenes Sackerl zum Einkaufen mitzunehmen, den Müll richtig zu recyceln und so weiter, da denk ich gar nicht mehr nach.

Bei anderen Dingen gehe ich faktenbasiert und nach persönlichem Wohlbefinden vor. Ich habe es zum Beispiel gerne hell und habe viel Licht brennen. Wirkt erst mal verschwenderisch, aber ich weiß, dass alle Lampen LEDs sind und wieviel Watt sie brauchen. Beim Wasserkocher hingegen koche ich immer nur genau soviel Wasser wie ich benötige. Für einen Liter umsonst aufgekochtes Wasser kann ich das Zimmerlicht fast 10 Stunden brennen lassen. Ebenso schau ich, dass ich effizient heize und wo’s geht mit dem Fahrrad hinfahre.

Dadurch, dass ich sehr viele verschiede Sportarten betreibe habe ich hier Konsummäßig etwas ein Problem. Das ist mir bewusst aber ich möchte eben auf das nicht verzichten, deshalb versuche ich zumindest hochwertige Produkte zu kaufen die ich dann viele Jahre lang benutze oder wenn ich es finde gebraucht zum Beispiel auf Willhaben.

Tipps zum nachhaltigen Leben ^ 

Wenn ich in meiner Studienzeit nachhaltiger leben möchte, was wären aus eurer Sicht die wichtigsten Dinge, die ich machen oder die ich nicht mehr machen sollte?

  • Müll in der FH richtig trennen und Müll generell vermeiden, man kann kleinere Portionen in der Mensa bestellen, vor jedem Druckauftrag nochmal überlegen ob die Unterlagen nicht doch digital ausreichen
  • Essen selber mitnehmen – Spart Geld und Plastikmüll ein
  • Mittlerweile schon sehr etabliert, einfach und effektiv: eigene Trinkwasserflasche (gern auch die von der ÖH)
  • Generell den Konsum überdenken
  • Offen sein für nachhaltige Alternativen wie Sharing-Systeme – egal Essen oder Auto, und Second Hand

Outro ^ 

Regina und Luca. Vielen Dank für eure Einblicke in das Nachhaltigkeitsreferat der Österreichischen Hochschüler:innenschaft an der Fachhochschule Kufstein Tirol. Danke für die vielen interessanten Hintergründe rund um eure Arbeit. Danke auch, dass ihr uns erzählt habt, was für euch ganz persönlich nachhaltig leben heißt und was ihr konkret macht. Das war eine Episode echt:nachhaltig mit Regina Giefing, Luca Obermayr und Christian Huber


 

 
Episode 3 - nachhaltige Initiative: Nachhaltgkeitsreferat ÖH Kufstein. Christian Huber im Gespräch mit Regina Giefing und Luca Obermayr
 

 
Episode 3 - nachhaltige Initiative: Nachhaltgkeitsreferat ÖH Kufstein. Christian Huber im Gespräch mit Regina Regina Giefing, Luca Obermayr und Christian Huber
 

 

 

 

Copyright CC-BY-SA | Regina Giefing, Luca Obermayr und Christian Huber | 20.11.2020 | Impressum | Datenschutz